Globales, Ökologie
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Wem gehört das Wasser?

Kapstadt - von Andreas Tusche - CC BY-SA

Die Trinkwasserversorgung in Kapstadt steht kurz vor dem Zusammenbruch. Eine lange Dürre hat die Metropole buchstäblich ausgetrocknet. Schon jetzt müssen alle Menschen in der Stadt, egal ob reich oder arm, mit 40 Liter Wasser am Tag auskommen. Zum Vergleich: In Deutschland verbraucht der Durchschnittsmensch das dreifache am Tag.
Dieser rationierte Verbrauch trifft vor allem die Reichen Einwohner hart: Sie erfahren nun, was in den Townships der Stadt Alltag ist. Regnet es nicht bald, kommt Ende April der „Day Zero“. An diesem Tag, vor dem sich die Behörden schon länger fürchten, müssten die Wasserhähne abgestellt werden. Menschen könnten nur noch an öffentlichen Sammelstellen Wasser holen.

Hauptverursacher der Krise ist der Klimawandel: Die ganze Region im südlichen Afrika wird immer trockener. Gleichzeitig gibt es kaum nachhaltige Ideen zur Lösung des Problems: Südafrika verbraucht jährlich mehrere Milliarden Kubikmeter Wasser mehr als eigentlich verfügbar ist, verbraucht also seine Reserven.
Neben dem hohen Verbrauch von Privathaushalten durch die wachsende Bevölkerungszahl ist der Verbrauch der Landwirtschaft, der rund die Hälfte ausmacht, ein weiteres großes Problem. Es gibt kaum ökologische und nachhaltige Anbauweisen, allein die Hälfte des Wassers verdunstet in solchen trockenen Regionen bei großzügiger Bewässerung. Gleichzeitig wird viel Wasser durch Verschmutzung aus dem natürlichen Kreislauf genommen. Während verdunstetes Wasser nach einer Zeit wieder abregnet, bleibt giftiges, mit Pestiziden versetztes Wasser, das ohne eine aufwändige Wiederaufbereitung nicht nutzbar ist.

Die Pestizide kommen aus der Landwirtschaft, doch auch aus der industriellen Wirtschaft werden giftige Abwässer häufig in die Natur geleitet. Diese Praxis kann man in vielen Ländern beobachten, nicht nur in Afrika. Doch um in der Region zu bleiben, verdeutlicht eine Zahl das Ausmaß des Problems: 320 Millionen Menschen, die südlich der Sahara leben, haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Also etwa die vierfache Menge der Menschen, die in Deutschland leben. Und das, obwohl sauberes Wasser seit 2010 ein Menschenrecht ist.

Wer trägt Schuld an dieser Tragödie? Das Schreckgespenst ist alt und kann trotzdem nicht oft genug benannt werden: Der Konsum in Zeiten der Globalisierung nimmt von Jahr zu Jahr bizarrere Züge an. Gerade in den Regionen in denen das Wasser immer knapper wird und das Wetter immer wärmer, siedeln sich Firmen an, die im großen Stil ihre Produkte anbauen. So braucht beispielsweise Baumwolle, die in vielen unserer Kleidungsstücke steckt, beim Anbau große Mengen an Wasser und gleichzeitig ein heißes Klima. Um dies zu garantieren, kaufen Großunternehmen Länder in trockenen Regionen auf um dann auf Ihnen Plantagen zu errichten. Doch das Wasser, was beim Kaufpreis des Landes häufig keine Rolle spielt, fehlt am Ende den Menschen auf den umliegenden Grundstücken.

Zusammengefasst: Wasserraub geschieht im Auftrag vieler Menschen überall auf der Welt, die sich die fertigen Kleidungsstücke am Ende kaufen. Natürlich hat jeder Mensch einen Anspruch auf Kleidung. Liegt es aber nicht in unserer Verantwortung zu schauen welche Konsequenzen unser Kaufverhalten auf andere Menschen und die Umwelt haben?
Noch absurder ist das Phänomen des abgefüllten Wassers aus Trockenregionen. Vor über 5 Jahren geriet der Schweizer Großkonzern Nestlé in die Schlagzeilen, weil bekannt wurde, dass das Unternehmen Trinkwasser aus Trockenregionen in Colorado und Südafrika abfüllt und für viel Geld als „Pure Life“ Wasser überall auf der verkauft, auch in Deutschland. Trotz des Skandals bleibt dieses Vorgehen bis heute gleich. Für manches gekaufte Wasser in einem wasserreichen Land wie Deutschland werden also buchstäblich Regionen ausgetrocknet. Und das für Flaschenwasser, das erwiesenermaßen eine schlechtere Qualität hat als unser Leitungswasser hier.
Ganz zu schweigen von den Abgasen, die beim Transport rund um die Welt entstehen hat unser Konsum und der steigende Konsum weltweit eine verheerende Auswirkung auf unseren Lebensraum. Auch wenn man heute kaum jemanden für Klimawandel und Umweltverschmutzung begeistern kann, werden die Probleme nicht kleiner. Es braucht in Zeiten der GroKo, die ihre eigenen Klimaziele einfach wieder abschafft und in Zeiten von offener Skepsis an wissenschaftlichen Erkenntnissen Menschen, die laut für eine nachhaltigere Lebensweise werben. Es braucht Menschen, die sich entscheiden, etwas zu tun. Und das heißt nicht, wie so oft von Pessimisten behauptet, dass jeder plötzlich Veganer mit einem Komposthaufen im Garten werden muss. Jeder kann etwas verändern und mit kleinen Dingen bestehende Verhältnisse verbessern. Ein mitgenommener Jutebeutel kann Fischsterben im Ozean verhindern. Eine Kleidertauschparty bewahrt vielleicht das Trinkwasser einer kleinen Dorfes. Ein fleischfreier Tag in der Woche, ob man es nun Veggie-Day nennt oder nicht, kann die Rodung eines Stücks Regenwald verhindern und so einen gesunden Wasserkreislauf beibehalten.

Auch Aufklärung bewirkt viel: Selbst wenn man nichts an seinem Konsum ändern kann, kann man dennoch Informationen verbreiten, andere Menschen zum Nachdenken anregen oder einen politischen Kurswechsel erzeugen. Gerade wir als Grüne Jugend dürfen in Zeiten, in denen die Probleme immer dringender werden und über unsere Zukunft entscheiden, nicht zurückschrecken. Wir müssen Menschen überzeugen, niemanden verteufeln sondern mit gutem Beispiel vorrangehen. Wenn jeder in seinem Rahmen das Beste tut, dann ist schon viel getan. Lasst uns Ökothemen wieder positiv besetzen und gemeinsam aufstehen, bevor es zu spät ist.

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