Netzpolitik
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Wer filtert meine Bubble?

Hast du dich schonmal darüber gewundert, dass deine Facebook-Timeline meistens voll ist von den Posts der üblichen Freund_innen, während Beiträge von Leuten, mit denen du beispielsweise nicht (mehr) so häufigsprichst, gar nicht in deinen Neuigkeiten auftauchen? Und wusstest du, dass zwei Leuten beim Googlen der selben Begriffen oft verschiedene Ergebnisse ausgespuckt werden?

Grund dafür ist, dass die Aktivitäten der Benutzer_innen, also zum Beispiel die Historie der Standorte, verwendete Such-Stichworte, Interaktionen in Social-Networks oder Postings, zu einem ganz individuellen Nutzungsprofil zusammen gefasst werden. Auf dessen Grundlage filtern Dienstleister wie Facebook oder Google bestimmte Informationen aus der Timeline bzw. der Liste der Suchmaschinen-Ergebnisse heraus. Der Informationsstrom wird also von Webseiten auf die vermeintlichen Präferenzen der Nutzer_innen abgestimmt und damit vorsortiert.

Die genauen Regeln, nach welchen diese Sortierung erfolgt, sind für die Nutzer_innen nicht transparent, genauso wie die Informationen, auf deren Grundlage Webseiten Nutzungsprofile erstellen.

Der Begriff der „Filterbubble“ oder „Filterblase“ muss nicht nur auf diesem auf der Basis von Nutzer_innenprofilen von Suchmaschinen und Social Networks vorsortierten Informationsstrom basieren.

Aber der Begriff der „Filterbubble“ oder „Filterblase“ muss nicht nur auf diesem auf der Basis von Nutzer_innenprofilen von Suchmaschinen und Social Networks vorsortierten Informationsstrom basieren. Wenn Nutzer_innen bewusst ihren eigenen Informationsstrom innerhalb sozialer Netzwerke modifizieren, dann wird mittlerweile auch von einer „Filterblase“ gesprochen. Social Networks wie Facebook und Twitter bieten den Nutzer_innen die Möglichkeit, ihre Timeline durch „befreunden“ und „entfreunden“ beziehungsweise „folgen“ und „entfolgen“ selbst zu konfigurieren. Damit erhält die Filterblase über ihre Funktion als Informationsfilter hinaus das Potenzial, einen Rückzugsort oder Schutzraum darzustellen – vorausgesetzt, das Wissen um die diese Möglichkeiten ist vorhanden. Es geht darum, entscheiden zu können, welchen Informationen ich mich aussetzen möchte und welchen nicht.

Die Filterblase ist nicht nur ein Informationsfilter, sondern kann auch einen Rückzugsort oder Schutzraum erzeugen.

Diese zwei Verständnisse der Filterbubble beschreiben also jeweils eine Verteilung und Begrenzung von Informationsflüssen, unterscheiden sich aber darin, wer diese Begrenzung vornimmt, also ob dies die Nutzer_innen direkt ihre Filterblase konfigurieren oder Websites anhand einer Klickhistorie.

Wenn der Internetaktivist Eli Pariser in seinem Buch „The Filter Bubble“ davor warnt, dass Filtermechanismen eine „informationelle Isolierung“ bewirken, also dass Nutzer_innen zum Beispiel nicht mehr mit anderen Sichtweisen als der eigenen konfrontiert werden, so bezieht er sich auf die durch Websites vorgenommene Begrenzung der Informationsflüsse. Mit dem Hinweis auf selbst veränderbare Informationsflüsse kann hier erwidert werden, dass die individuelle Auswahl der Informationen eine selbst mehr oder weniger bewusst praktizierte, notwendige Strategie zur Bewältigung eines Überangebots an Information ist, die keinesfalls erst mit der Entstehung des Internets aufkam.

So arbeiten Zeitungsredaktionen bzw. Journalist_innen als analoge Filter, indem sie entscheiden, was sie berichten. Mit der Auswahl eines Freund_innenkreises konfigurieren Individuen wiederum gleichzeitig einen Informationsfluss, dem sie sich aussetzen wollen. Der Konsum von Informationen kommt selten ohne Filtern aus. Dies lässt eine pauschale Kritik an der Anwendung von Filtermethoden naiv erscheinen. Jedoch lässt sich durchaus fordern, die Filtertechniken von Websites für Nutzer_innen transparent und kontrollierbar zu machen. Dies beschränkt die Macht der Filter und befähigt die Internetnutzer_innen dazu, bei Zeiten einen bewussten Ausflug aus ihrer Filterbubble zu unternehmen.

Jamila Schäfer war lange Mitglied der SPUNK-Redaktion und studiert in Franfurt am Main Soziologie und Philosophie. Sie ist die Bundessprecherin der GRÜNEN JUGEND.

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