SPUNK
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Wir schrumpfen – und das seit 4 Jahren!

Strukturdebatte… wie öde!? Kann sein, ist aber in Anbetracht der Mitgliederentwicklung dringend notwendig. Denn laut einer Statistik der Bundesgeschäftsstelle der Grünen Jugend zur Mitgliederentwicklung, hat der Verband aktuell 6.872 Mitglieder (Stand 01.01.2016) und damit knapp 2.500 Mitglieder weniger als zum 01.07.2011, als die Grüne Jugend mit über 9.300 Mitgliedern ihren bisherigen Höchststand hatte. Im Durchschnitt hat die Grüne Jugend seit Ende 2011 pro Jahr 650 Mitglieder verloren. Ein Negativtrend, dem wir uns stellen sollten und Lösungen brauchen, die zumindest diesen Negativtrend aufhalten, wenn nicht sogar umkehren.

Aber wie gelingt es uns als Verband, junge Menschen für (junggrüne) Politik zu begeistern? Welche Strategien wirken in welchem Landesverband/ in welcher Ortsgruppe und welche Strategien wirken nicht? Und warum ist dies so? Kurz, wir brauchen eine Analyse des Negativtrends. Und hierfür ist eine gleichberechtigte Debatte zwischen Bundesvorstand, Landesvorständen und Ortsgruppenvorständen sowie allen anderen interessierten Mitgliedern der Grünen Jugend notwendig. Diese ist meiner Meinung nach temporär auf dem Bundeskongress vertreten, aber bei weitem nicht ausreichend. Eine umfangreiche Debatte könnte beispielsweise durch den GJ Spunk stattfinden, doch hier gibt es bei dem Punkt „Debatten“ keinen Beitrag zur Mitgliederentwicklung der Grünen Jugend. Auch bei „Themen“ spielt die Mitgliederentwicklung keine Rolle.

Was ist für eine umfangreiche Debatte nötig?

Zu allererst Menschen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen und eine Plattform, wo Überlegungen, Meinungen und auch Strategien diskutiert werden können. Hier sehe ich den Spunk als eine geeignete Plattform, sich auch mit dieser Thematik zu beschäftigen. Schließlich ist die Verbandsentwicklung auch ein Thema, welches die Mitglieder der Grünen Jugend interessiert und beschäftigt. Klar, es ist kein Thema wofür Menschen extra zu uns kommen, das bedeutet aber nicht, dass es kaum eine Rolle spielen darf.

Weiterhin brauchen wir ein grundlegendes Verständnis für die unterschiedlichen Situationen in den Landesverbänden. Dies hat uns die Debatte zur Erhöhung des Mitgliedalters auf 30 Jahre auf dem letzten Bundeskongress der Grünen Jugend in Dresden gezeigt. Während es für große Landesverbände wie Nordrhein-Westfalen wenig Sinn machen würde das Mitgliedsalter auf 30 anzuheben, ist es für strukturschwächere Landesverbände wie Thüringen eine durchaus empfehlenswerte Maßnahme. Denn für Thüringen bedeutete das Anheben des Mitgliedalters auf 30 und die Einführung der Doppelmitgliedschaft ein Wachstum an Mitgliedern. Dies führt bei der aktuellen Förderrichtlinie des Freistaats Thüringen zu einer Erhöhung der Finanzierungsmittel für die Grüne Jugend Thüringen*. Dadurch kann sich die Grüne Jugend Thüringen nicht nur eine Person für die Technik leisten, sondern auch erstmals ein*e organisatorische*r Geschäftsführer*in. Beides macht das ehrenamtliche Engagement barrierefreier und einfacher.

Ich möchte euch mit dem Beispiel aus meinem Landesverband aufzeigen, dass hinter einer Forderung bzw. Maßnahme wie der Anhebung des Mitgliedalters auf 30 viel mehr steckt, als nur eine oberflächliche Forderung, um schönere Zahlen in der Statistik zu bekommen.

Erfahrungen teilen

Zu einem nachhaltigen Wissensmanagement gehört es auch, Erfahrungen bezüglich Vorstandsarbeit, aber auch Entwicklungen innerhalb der Grünen Jugend mit anderen Landesverbänden oder Ortsgruppen zu teilen. Dies kann besonders strukturschwächeren Landesverbänden sowie kleinen Ortsgruppen helfen, da es auch immer wieder zu der Situation kommt, dass Vorstände nicht voll besetzt sind und sehr engagierte bzw. ehemalige (Vorstands-) Mitglieder aus diversen Gründen gehen und ihre Erfahrung und ihr Wissen nicht weitervermitteln, sondern mitnehmen. Die Nachfolger*innen starten oftmals bei null und müssen sich erst neu in ihre jeweilige Vorstandsrolle hineinfinden und darüber hinaus auch die Arbeit von unbesetzten Plätzen miterledigen. Dies ist ein großer Arbeitsaufwand, der zwangsläufig dazu führt, dass Vorstände eher den Verband oder die Ortsgruppe gerade so am Leben erhalten, aber nicht mehr schaffen. Auch die thematische Ausrichtung eines Landesverbands kann darunter stark leiden und so natürlich auch keine neuen Mitglieder gewinnen, geschweige denn Strategien zur Mitgliedergewinnung entwickeln bzw. aufstellen. Um Mitglieder zu gewinnen braucht es auf Dauer stabile Vorstände.

Hier kann eine stärkere Vernetzung helfen. Bei größeren Landesverbänden könnten kleine und größere Ortsgruppen stärker miteinander vernetzt werden oder auch einzelne Mitglieder aus dem Landesvorstand mit kleineren Ortsgruppen. Bei strukturschwächeren Landesverbänden ist eine Vernetzung über die Landesgrenze hinweg am sinnvollsten. Aktuell gibt es beispielsweise jeden Monat eine Vernetzungs-TK der Landesverbände Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Ziel ist es unter anderem eine bessere thematische Aufstellung, Wissen bezüglich Vorstandsarbeit auszutauschen, aber auch Ideen für die Mitgliedergewinnung auszutauschen und zu entwickeln.

Debattiert, tauscht Erfahrungen aus, schreibt Artikel

Selbstverständlich liefert der Artikel kein allumfassendes Maßnahmenpaket, um den Negativtrend zu stoppen oder umzukehren. Aber er liefert zumindest einen Anfang zu einer umfangreicheren Debatte zur Mitgliederentwicklung innerhalb der Grünen Jugend. Also, debattiert, tauscht Erfahrungen aus und schreibt Artikel!

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*Die Höhe der Förderungsmittel und die Anzahl der Mitglieder der Grünen Jugend Thüringen stehen in einem Zusammenhang. Eine Grundfinanzierung, die allen Jugendorganisationen in Thüringen in gleicher Höhe zukommt, gibt es derzeit auch unter rot-rot-grün nicht.

Sebastian Weise studiert in Jena Politikwissenschaft und träumt von einem postnationalen und sozial gerechten Europa, interessiert sich für LGBTIQ-Themen, Anti-Rassismus-Arbeit und politische Bildung. Nebenbei wäscht er in einem Restaurant Teller ab und hört deswegen oft den Spruch "Vom Tellerwäscher zum Millionär".

Kategorie: SPUNK

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Sebastian Weise studiert in Jena Politikwissenschaft und träumt von einem postnationalen und sozial gerechten Europa, interessiert sich für LGBTIQ-Themen, Anti-Rassismus-Arbeit und politische Bildung. Nebenbei wäscht er in einem Restaurant Teller ab und hört deswegen oft den Spruch "Vom Tellerwäscher zum Millionär".

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